
Talea Kant
Talea KantBin ich dominant genug? Bin ich wirklich eine Sub? Mache ich BDSM „richtig“? Oder bilde ich mir meine Rolle vielleicht nur ein? Solche Gedanken kennen viele Menschen in der BDSM-Szene. Gerade weil es keine offizielle Prüfung und kein Zertifikat dafür gibt, ob jemand „wirklich“ dominant, submissiv oder switch ist, können Unsicherheiten schnell zu grundsätzlichen Zweifeln an der eigenen Identität werden.
Der Vortrag beschäftigt sich mit dem sogenannten Impostor-Phänomen: dem Gefühl, die eigene Kompetenz, Rolle oder Identität sei irgendwie nicht echt oder nicht ausreichend – obwohl objektiv kein Grund dafür besteht. Dabei betrachten wir, warum gerade BDSM ein Umfeld sein kann, in dem solche Selbstzweifel entstehen oder verstärkt werden.
Wir schauen uns getrennt die Perspektiven von Doms und Subs an: die Angst von Dominanten, nicht hart, souverän oder konsequent genug zu sein, ebenso wie die Zweifel von Subs, ob ihre Hingabe „echt“ oder ausreichend ist. Auch Switches bekommen Raum, denn der Wechsel zwischen unterschiedlichen Rollen kann zusätzliche Fragen an das eigene Selbstbild aufwerfen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Szeneidealen, Social Media, Pornografie und stereotypen Vorstellungen davon, wie ein „richtiger“ Dom oder eine „richtige“ Sub zu sein hat.
Zum Abschluss geht es darum, wie sich diese Vergleichs- und Zweifelspiralen durchbrechen lassen und warum BDSM-Identität nicht an ein bestimmtes Rollenbild gebunden sein muss.