
Talea Kant
Talea KantDer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung ging davon aus, dass jeder Mensch einen Schatten in sich trägt. Gemeint sind die Anteile, die wir nicht sehen wollen, die wir verdrängt oder abgespalten haben, weil sie nicht zu dem Bild passen, das wir von uns selbst haben möchten. Diese Anteile verschwinden dadurch nicht, sie wirken im Verborgenen weiter und melden sich oft genau dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. In einer heftigen Reaktion zum Beispiel, die uns selbst überrascht. Wer in einer devoten Rolle plötzlich inneren Widerstand spürt, obwohl er sich das Spiel gewünscht hat, stößt vielleicht genau dort auf einen Anteil, der sonst nie Raum bekommt.
BDSM funktioniert für mich wie ein Spiegel für genau diese Anteile. Er zeigt uns selten etwas Neues. Er zeigt uns das, was längst da ist, unsere Bindungsmuster, unser inneres Kind, das Bild, das wir von unserem Körper haben, und die Rolle, die wir insgeheim nie wieder spielen wollen. Was im Alltag gut verborgen bleibt, wird im Spiel plötzlich sichtbar, manchmal innerhalb weniger Minuten.
Genau darum geht es in dieser Workshop-Reihe. Wir nutzen Kink nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug zur Selbsterkenntnis, als Einladung, genauer hinzuschauen, was das Spiel in uns auslöst und warum.
Die Reihe besteht aus drei Teilen, die aufeinander aufbauen, sich aber auch einzeln buchen lassen:
Teil 2: Was zwischen dir und einem anderen Menschen sichtbar wird, sobald Macht im Spiel ist.
Sobald zwei Menschen miteinander in eine Dynamik gehen, kommt etwas dazu, das man allein nie ganz sehen kann. Macht, Kontrolle, die eigene Grenze, die Angst und der Mut, sie trotzdem zu überschreiten. In diesem Workshop geht es um das, was nur in Begegnung entsteht.
Wir sprechen darüber, wie sich Macht und Ohnmacht anfühlen und was Kontrolle eigentlich mit uns macht, wenn wir sie abgeben oder übernehmen. Wir nähern uns Grenzerfahrungen, nicht um sie zu suchen, sondern um zu verstehen, was sie über uns erzählen. Wir schauen auf das Nebeneinander von Aggression und Zärtlichkeit, das im Kink oft näher beieinanderliegt, als der Alltag es zulässt. Und wir stellen uns der Frage, was Angst und Vertrauen miteinander zu tun haben und wie viel Mut es braucht, sich einem anderen Menschen wirklich zu zeigen.
Die vier Spiegel dieses Wochenendes
Dieser Workshop stellt keine therapeutische Veranstaltung dar, sondern dient der Selbstreflexion.